Erzeugerabfüllung contra Abfüller

Eine Erzeugerabfüllung oder Gutsabfüllung sollte das mindeste Qualitätsmerkmal sein, auf welches ein Weinfreund insbesondere beim Einkauf deutscher Rebensäfte achten sollte. Dies gilt umso mehr bei Flaschenpreisen über 8 €.

Dieser Empfehlung liegt der Umstand zugrunde, dass es wohl weit mehr schlechte Winzer als schlechte Jahrgänge gibt, was dazu führt, dass viele dieser Weinbauern dazu übergegangen sind, ihre Ernte von großen Vertriebsfirmen (Abfüller) anonym über deren Eigenlabels vermarkten zu lassen.

Da über die späteren Flaschenpreise deren komplette Administration - vom Geschäftsführer übers Marketingwesen, bis hin zur Rechtsabteilung - und schlussendlich auch noch Verkäuferprovisionen (nicht selten mehr als 30%) abgedeckt werden müssen, bedarf es keines betriebswirtschaftlichen Studiums um sich ausmalen zu können, dass keine Spanne bleiben kann, um Weine im mittleren, geschweige denn gehobenen Qualitätssegment bei namhaften Winzern bzw. Weingütern einzukaufen. Schließlich sollen am Jahresende auch noch die Gewinne sprudeln.

An dieser Stelle sind dann die Künste der Marketingabteilungen gefragt, die es durch Einsatz von Hochglanzprospekten, formschönen Flaschen und Etiketten bestens verstehen, die Sinne der Verbraucher vom Flascheninhalt auf deren Äußeres zu lenken. Anders dürfte es doch kaum zu erklären sein, dass Rebensäfte, für welche dem Erzeuger pro Liter oft nicht mehr als 1,50 Euro bezahlt werden, dem Endverbraucher dann 10 € und mehr für die 0,75 Liter-Flasche abverlangt werden.

Große Vertriebsfirmen benötigen enorme Mengen von gleichschmeckenden Weinen, um diese ganzjährig und bundesweit im Sortiment führen bzw. vertreiben zu können. Viel mehr als ein einziger Winzer produzieren kann.

Die Lösung besteht im Zusammenlegen von vielen Weinen von vielen Winzern, querfeldein durch sämtliche Anbaugebiete, natürlich stets unter strikter Einhaltung des jeweils gültigen Weingesetzes.

Wenn zum Beispiel auf einem Etikett lediglich zu lesen ist „2015 Pfalz, Auslese, Abfüller + Betriebsnummer“ muss dies natürlich nicht zwangsläufig bedeuten, dass der Inhalt nicht schmeckt, insbesondere wenn dieser mit ein wenig Süßreserve aufgepeppt wurde. Aber es gibt solche (Abfüller-)Weine millionenfach eben auch beim Discounter, dort zwar in weniger schönen Flaschen, dafür zu einem Bruchteil des Preises, welchen große Vertriebsfirmen aufgrund ihrer Kalkulation i.d.R. berechnen (müssen?).

Natürlich ist dies alles erlaubt und funktioniert auch, zumindest solange viele Verbraucher mehr auf die Äußerlichkeiten anstelle auf den Inhalt achten bzw. auch das Kleingedruckte auf dem (Rücken-)Etikett  lesen.

Warum also weiter für No-Name-Produkte die Preise von Markenartikeln bezahlen?

Entscheiden auch Sie sich künftig beim Einkauf Ihrer Weine bitte für Erzeuger- oder Gutsabfüllungen. Diese sind nicht nur qualitativ hochwertiger & preiswerter als die beschriebenen Abfüller-Weine, sondern Sie unterstützen damit auch die harte Arbeit der handwerklich guten Winzer.

Testen Sie es, Sie werden mehr als begeistert sein!